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Die Sache mit der Maßtabelle

masstabelle

08 Nov 2016 Die Sache mit der Maßtabelle

Ich möchte heute ein bißchen was zum Thema „Maßtabellen“ erklären, da doch immer wieder Probleme beim Maßnehmen auftauchen.

In meinen Ebooks und Papierschnittmustern verwende ich FERTIG-Maßtabellen, d.h. die Maße die dort angegeben sind, sind die Maße des fertigen Kleidungsstücks. Das ist für viele einfacher, da sie einfach z.B. einen vorhandenen, gut sitzenden Pullover nehmen, die Oberweite messen und mit der Matabelle vergleichen. So hat man einen Eindruck davon, wie weit der genähte Pullover später im Brustbereich sitzt. Dabei ist immer darauf zu achten, dass man ähnliche Materialien miteinander vergleicht. Natürlich kann man keine Bluse aus fester Webware mit einem T-Shirt aus dehnbarem Jersey vergleichen. Hier also nicht Äpfel mit Birnen vergleichen! Aber erfahrungsgemäß kommt Ihr gut mit den Fertigmaßtabellen zurecht, so dass diese auch weiterhin in den Ebooks und Papierschnitten zu finden sein werden.

In meinem Buch „Jersey Nähen – Easy Basics“ arbeite ich mit einer KÖRPER-Maßtabelle, d.h. die Maße hier sind die Maße des Körpers. Ein Buch ist vom Umfang her sehr viel begrenzter als ein Ebook oder Papierschnittmuster, wo es nur um einen einzigen Schnitt geht und nicht um dreißig. Es gibt ja auch einen erheblichen Preisunterschied. Aus dem Grund kann nicht zu jedem einzelnen Schnitt eine Fertigmaßtabellen angegeben werden sondern es wird mit einer Körpermaßtabelle gearbeitet, die für alle Schnitte gilt. Und hier fängt die Problematik an. Ich habe einige Kritik bekommen, dass die Maßtabelle überhaupt nicht zur Kaufgröße passen würde oder dass die Maßtabelle nichts mit den eigenen Maßen zu tun hätte und dass die Maßtabelle nicht stimmen würde.

Dazu muss ich sagen: Es gibt Standard-Maßtabellen, die sich in einem Zentimeter-Rahmen bewegen und so ist auch diese Maßtabelle hier im Buch zu Grunde gelegt. Es ist also schlichtweg falsch, dass die Maßtabelle nicht stimmt. Als Beispiel kann man z.B. die Maßtabelle mit der Burda-Maßtabelle vergleichen, die Maße sind hier nahezu identisch, bei der Oberweite, die ja ausschlaggebend ist für nahezu alle Oberteile und Kleider ist sie sogar absolut identisch. Auch verglichen mit Kaufgrößen ist die Maßtabelle nahezu identisch wie z.B. mit den Maßtabellen von Otto oder H&M. Ich finde es daher immer sehr schade, wenn ich als öffentliche Kritik lese, dass die Maßtabelle nicht stimmt und so der Eindruck entsteht, dass hier ein Fehler vorliegt. Das ist nämlich nicht der Fall und einfach eine falsche Behauptung, die natürlich auch schadet.

Worüber die Körper-Maßtabelle aber tatsächlich nichts aussagt ist, wie ich als Designerin mir den Sitz des Kleidungsstückes eigentlich vorstelle. Bei einem Oversize-Pullover wie z.B. beim Langarmshirt mit überschnittenen Ärmeln, das auch als leger bezeichnet wird, sitzt das natürlich nicht figurbetont sondern sehr weit. Und genau das kann man aus einer Körpermaßtabelle im Vorwege nicht ablesen, aus einer Fertigmaßtabelle hingegen schon eher, da man hier eine Vorstellung davon im Vorfelde erhält, wie weit eigentlich das Kleidungsstück hinterher ist.
Und hier fängt die Sache mit den verschiedenen Geschmäckern an…. während die einen locker sitzende Kleidung ganz toll finden, möchten die nächsten es möglich tailliert und figurnah. Was die einen als „Zelt“ empfinden, weil es leger sitzt, finden die nächsten genau richtig, weil sie einen engeren Sitz als „Wurst in der Pelle“ empfinden. Und darüber kann eine Körpermaßtabelle keinen Aufschluss geben, was ich mir als Designerin überlegt habe, wie es sitzen soll. Wären hier Fertigmaße hinterlegt, wäre es für die meisten leichter zu entscheiden, ob sie nun eine Nummer größer wählen oder eine Nummer kleiner, da sie es gerne lieber leger oder eben figurbetont mögen.

Kleines Beispiel: Zwei Damen haben eine „offizielle“ Kaufgröße nach Standardmaß von 40, was irgendwann mal von der Industrie als Standardmaß festgelegt wurde. Die eine kauft aber schon immer 38, weil sie einfach gerne knackig sitzende Kleidung trägt und auch gerne selbstbewusst zeigt was sie hat. Die nächste Frau kauft schon immer 42 weil sie sich eben wohler fühlt, wenn das ein oder andere Polster etwas verdeckt ist und sie auch nicht so sehr die Blicke auf sich ziehen mag. Während die Industrie sagt, Ihr habt beide Größe 40, sagt die eine Frau „Ich habe Kaufgröße 38“ und die zweite sagt „Ich trage Kaufgröße 42.“, sie haben aber beide noch nie einen Blick in die Maßtabelle geworfen, sondern kaufen nach Gefühl und Wohlfühlen. Wer schaut im Geschäft schon in die Maßtabelle. Nun möchten sie sich etwas schönes selber nähen und schauen das erste Mal in die Maßtabelle und stellen fest, dass sie aber mit ihren Maßen nach Standardmaß eigentlich Größe 40 nähen müssten. Und nun sagen sie beide, dass ja die Maßtabellen überhaupt nicht mit den Kaufgrößen übereinstimmen und dass da wohl was falsch sein muss oder sie nähen dann tatsächlich so wie die Maßtabelle es vorgibt und haben dann ein Kleidungsstück genäht, was nicht ihren Wohlfühl-Vorstellungen entspricht….. Ihr seht die Problematik, oder?

Was ist also die Lösung des Problems? Entweder näht man ein Probeteil, was im Grunde in der Schneiderei ohnehin immer gemacht werden sollte. Wer das nicht möchte, nimmt den Schnittmusterbogen und schaut sich die Schnittteile in ihren Größensprüngen an. Auch hier kann man problemlos die Oberweite am Schnittteil messen und mit einem gut sitzenden Kleidungsstück vergleichen. Alternativ legt man das vorhandene Kleidungsstück direkt auf das Schnittteil und vergleicht die Größen. Aber Achtung: hier gilt auch wieder „Äpfel nicht mit Birnen vergleichen!“.

Ich hoffe, ich konnte hier ein bißchen Klarheit in das Thema bringen. Und das ganz ohne Bilder heute!

Liebe Grüße
Julia

 

3 Kommentare
  • Fabulatoria
    Veröffentlicht um 12:02Uhr, 08 November 2016 Antworten

    Liebe Julia,

    ich danke dir für diese ausführliche und tolle Erklärung. Ich gestehe ich konnte mit den Fertigmaßtabellen in eBooks meist oft nichts anfangen. Vor allem nicht wenn da steht ich soll das Maß an einem Kleidungsstück anstatt an mir selbst abnehmen. Jetzt ist mir gerade ein Licht aufgegangen und ich weiß wie ich in Zukunft mit den Angaben umgehen kann/ muss. Bleibt nur noch zu hoffen, dass immer deutlich dabei steht ob es sich um eine Fertigmaßtabelle oder eine Körpermaßtabelle handelt ;o)
    Also nochmal vielen Dank.

    Liebe Grüße, Carmen

  • Birgit
    Veröffentlicht um 12:32Uhr, 08 November 2016 Antworten

    Liebe Julia,
    ich persönlich schätze es sehr, wenn bei einem Schnitt beides – also Körpermaßtabelle und Fertigmaßtabelle – angegeben ist. Dann spart man sich mitunter das Ausmessen des Schnittmusters und hat auch gleich eine Idee davon, wie körpernah ein Designer den Schnitt konsturiert hat. Oft gibts nur die Fertigmaßtabelle (was mir aber definitiv noch lieber ist, als nur eine Körpermaßtabelle) und eine Angabe à la „die Schnitte fallen größengerecht aus“. Wenn ich sowas lese, dann frag ich mich immer, welche (Körper)Maße dem Schnitt zugrunde liegen. Man kennt das ja auch bei Gekauftem: beim einen Label braucht man eine 38 wobei man ansonsten in die 36 passt. Dass in einem Buch nicht beides Platz hat, verstehe ich aber vollkommen. Aber vielleicht könntest du in Shop/im Blog mal die Körpermaßtabelle zugänglich machen, die für deine Ebooks gilt? Oder ist das vielleicht eh dieselbe wie im Buch?
    Absolut ungerechtfertigt finde ich die Kritik, dass Maßtabellen nicht „stimmen“, wenn man nicht verstanden hat, welche Maße man da eigentlich vor sich hat. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass du dich über solche Aussagen ärgerst und das Bedürfnis hast, das richtigzustellen.
    lg und weiter so
    Birgit

  • Corinna Maurer
    Veröffentlicht um 23:40Uhr, 08 November 2016 Antworten

    Liebe Julia

    bein nähen ist es doch oft so, das gerade am Anfang ein bisschen die “Logik“ fehlt.
    Den größten Lerneffekt hat man eben nur duch probieren – auch bei Größen und unabhängig davon ob ein Schnitt nahezu perfekt ist, wird er der einen oder anderen niemals passen – mal ist der Busen tiefer mal die Proportionen einfach nicht DIN gerecht.
    Aber genau das muß Hobbynäherin ehrlich erkennen können und anstelle am Schnitt rumzumäkeln sich damit befassen, wie der Schnitt für einen persönlich angepasst werden kann.
    Es ist immer einfacher einen Schnitt für die falsche Passform verantwortlich zu machen, anstelle auch mal ehrlich die eigenen Fähigkeiten zu überprüfen….aber nur dadurch entwickelt man sich weiter…auch beim Nähen…
    Auch bei der Materialkunde…..ich lache oft über meine “Anfänger“ Fehler und lerne stetig dazu.

    Es lag bisher nie am Schnitt, wenn was nicht wie erwartet wurde. Mal ist es das eine Prozent Elastan mehr und schon ist das bereits mal genähte Teil “eng“.

    Erst wenn man gelernt hat, Materialien“zu lesen“ wird es besser werden….und Trotzdem….immer wieder werden wir überrascht….manchmal unangenehm….aber das ist Nähen! Manchmal perfekt, manchmal getrennt, manchmal mit “ Knoten im Kopf“ aber genau dadurch bleibt jedes neue genähte Stück spannend bis es anprobiert wird…und genau das macht doch einen Teil des Reizes aus;-)

    Also cool bleiben, du kannst unmöglich den perfekten Schnitt für alle Figuren und wohlmöglich allen Materialien erstellen…

    Liebe Grüße
    Coco

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